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Wissenswert

TYPO3-Upgrade – gewusst wie...

von André Richter

Durch gute Planung häufige Fallstricke umgehen

TYPO3 ist ein mächtiges Werkzeug für die Aktualisierung der Inhalte einer Internetseite. Aber wie bei anderer Software auch stellt sich nach einem gewissen Zeitraum die Frage, ob die aktuell eingesetzte Version den Ansprüchen noch genügt. Außer kosmetischen Gründen sprechen auch handfeste Sicherheitsaspekte für den Einsatz einer aktuellen TYPO3-Version. Der Artikel zeigt, in welchen Fällen ein Upgrade oder Update Sinn ergibt und welche Stolpersteine dazu unter Umständen aus dem Weg geräumt werden müssen.

Es ist schon etwas länger her, da wurde Ihr Internetauftritt durch den Einsatz eines Content-Management-Systems zu einem repräsentativen Aushängeschild Ihrer Firma. Doch wie in vielen Bereichen des täglichen Lebens geht auch im Internet die Zeit nicht spurlos an aktuellen Errungenschaften vorbei: Zeit also für etwas Neues.

Update oder Upgrade

Um gleich mit dem Begriffswirrwarr aufzuräumen, sei ein kurzer Ausflug in die Softwareentwicklung erlaubt. Um zu unterscheiden, ob es sich bei der Aktualisierung der TYPO3-Version um ein Upgrade oder Update handelt, bezieht man sich auf die Art der neuen Version: Handelt es sich um einen echten Versionssprung (also den Wechsel des Versionszweiges, siehe Tabelle unten) wird in diesem Artikel von einem Upgrade gesprochen. Ist dagegen „nur“ eine aktuellere Version innerhalb des Zweiges gemeint, wird dies hier als Update bezeichnet.[1] Da bei einer gewissenhaften Erstellung der Seiten und der eingebundenen Erweiterungen ein TYPO3-Update ohne Probleme realisierbar ist, wird im Folgenden ausschließlich auf TYPO3-Upgrades eingegangen.

Wichtige Neuerungen gegenüber dem Vorgänger

TYPO3-Zweig Wichtige Neuerungen gegenüber dem Vorgänger [2]
3.8 Verbesserung der Indexsuche, Einführung der Cache-Control-Header, Import/Export, GraphicsMagick
4.0 Neuer Backend Skin, Workspaces, History, css_styled_content, neuer Standard-HTML-Editor
4.1 IRRE, AJAX-Baumansicht, UTF-8 auch für Dateinamen
4.2
aktuell 4.2.6
TYPO3 funktioniert nur noch mit PHP5.2 oder höher, neues Backend, Login wird Systemextension,
4.3 (geplant) Neues Caching-System, verbessertes Frontend-Editing, Model-View-Controller-Framework für verbesserte Erweiterungsentwicklung

Vorbereitungen

Ist die Entscheidung für ein Upgrade gefallen, sollte zunächst ein verbindlicher Zeitplan erstellt werden. Hierbei müssen sowohl genügend Zeit für die Aktualisierung des Grundsystems und seiner Erweiterungen als auch für einen ausführlichen Test der gesamten Funktionalität eingeplant werden.

Als erster Schritt sollte ein Backup der aktuell im Netz befindlichen TYPO3-Installation erstellt werden. Obwohl es Erweiterungen gibt, die eine komplette Sicherung des Systems versprechen, ist hier die manuelle Lösung nach wie vor am besten geeignet. Neben dem kompletten Dateisystem muss dazu auch die Datenbank gesichert werden. Das Aufsetzen eines geeigneten internen Systems zum Durchführen der Aktualisierung bildet dann den nächsten Schritt. Von Vorteil ist es, wenn die Serverarchitektur und die installierte Software mit dem vorhandenen System übereinstimmt. So vermeidet man böse Überraschungen beim späteren Relaunch.

Um zu verhindern, dass von nun an Inhalte eingegeben werden, welche durch die Aktualisierung verloren gehen, sollte das Backend für Redakteure gesperrt werden. Die Einstellung dazu findet sich im Install Tool unter dem Reiter „All Configuration“ als Option „adminOnly“. Je nach Frequenz der Inhaltseingabe sollten aus diesem Grund die folgenden Abschnitte in einem möglichst kurzen Zeitraum realisiert werden.

TYPO3: aus alt mach neu

Das Backup dient nun der Spiegelung der aktuellen Seite. Die Dateien einspielen, die Datenbank importieren und notwendige Parameter im Install-Tool anpassen: Nun sollte eine exakte Kopie der zu aktualisierenden Seite auf einem Entwicklungsserver laufen. Falls man bei der Anforderungsanalyse bereits Funktionen oder Erweiterungen ausgemacht hat, die in Zukunft nicht mehr benötigt werden, können diese nun deinstalliert bzw. entfernt werden. Ist das so installierte System lauffähig, kann die eigentliche Arbeit erfolgen.

Das Upgrade sollte streng nach der vorgesehenen Methodik vollzogen werden.[3] Hier wird zunächst auf die neueste Version des 4.1-Zweiges und erst im Anschluss auf die Version 4.2.x aktualisiert. Diese stufenweise Vorgehensweise ist notwendig, da sich bereits sehr viele Änderungen in der Version 4.1 befinden und erst im nächsten Schritt die Umstellung auf PHP5 erfolgt.

Die einzelnen Schritte beim Upgrade von TYPO3 3.8 auf 4.1 im Überblick:

  1. Alle Erweiterungen werden von global auf lokal umgestellt.
    Dazu müssen die Erweiterungen deinstalliert und anschließend aus dem Verzeichnis /typo3/ext/ gelöscht werden. Die entfernten globalen Erweiterungen müssen nun neu aus dem Repository geholt und installiert werden.
  2. Die Verzeichnisse typo3, media, tslib, t3lib und die beiden Dateien showpic.php und index.php werden gelöscht.
  3. Die neue TYPO3-Version (4.1.10) wird in das Verzeichnis kopiert.
  4. Nun werden noch Änderungen im Install-Tool (www.meineseite.de/typo3/install/) vorgenommen:
    Unter dem Punkt „Database Analyser“ müssen nacheinander „Compare“ und „Import“ ausgeführt werden. Anschließend wird beim Reiter „Update Wizard“ die Version umgestellt und die temp_*- Dateien aus dem Verzeichnis „typo3conf“ gelöscht.
  5. Zu guter letzt wird noch ein neuer Encryption Key vergeben.

Die folgende Aktualisierung erfordert zwingend PHP5.2 oder höher, so dass hier auch die Konfiguration des Hosters berücksichtigt werden muss. Da nahezu alle Hoster PHP5 anbieten, kann hier – je nach Konfiguration – der richtige Interpreter in der .htaccess-Datei oder in den Einstellungen festgelegt werden.

Anpassen der Erweiterungen

Die besondere Herausforderung beim Upgrade besteht jedoch in der Anpassung der Erweiterungen. Nicht nur, dass einzelne Erweiterungen mittlerweile fest zum Stamm der TYPO3-Installation gehören, die früher separat installiert waren (z.B. felogin, htmlArea und css_styled_content); auch die restlichen Erweiterungen benötigen unter Umständen eine Anpassung.

Ein erster Schritt sollte die Aktualisierung der Erweiterungen über die neue Funktion des Erweiterungsmanagers sein („Check Extension Updates“). In den meisten Fällen haben die Extensionentwickler eine angepasste Version für den neuen TYPO3-Zweig bereits veröffentlicht. Wurde die Trennung der Templates und zugehörigen Typoscript-Teile von der eigentlichen Erweiterung gut gelöst, ist mit der Aktualisierung bereits ein wichtiger Teil der Arbeit erledigt. Lediglich einige Erweiterungen haben sich zudem in Funktionsumfang und Integrationsweise so stark verändert, dass ihnen separate Beachtung geschenkt werden muss.
Zu den wichtigsten und häufig eingesetzten zählen:

  • direct_mail
    Hier wurde die gesamte Oberfläche überarbeitet und die Funktion wird als eigenes Modul in die Oberfläche integriert.
  • tt_news
    Hier wurde die Arbeit mit Kategorien stark überarbeitet und muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.
    Die Dokumentationen der Erweiterungen halten – liegen wesentliche Änderungen in der Funktionsweise vor – meist ausführliche Beschreibungen des Upgrade-Prozesses bereit.

Auch die selbst entwickelten Erweiterungen kommen nun auf den Prüfstand. Hierbei gilt: Je sauberer zu Beginn gearbeitet wurde, desto weniger Anpassungsschwierigkeiten gibt es beim Upgrade.

Zurück auf Start – Livegang

Auf dem intern eingerichteten Testsystem sollte nun eine funktionsfähige und neue TYPO3-Installation mit allen Inhalten laufen. Mit diesem Stand (Dateien und Datenbank) wird nun auf einer Subdomain des Livesystems die neue Seite zum finalen Test bereitgestellt. Hierzu sollten nicht nur die Darstellung aller wichtigen Inhalte überprüft sondern auch die Funktionen im Backend getestet werden. Durch die neue Version müssen unter Umständen auch Nutzerrechte oder Konfigurationseinstellungen angepasst werden. Sind alle Korrekturen vorgenommen, kann der Relaunch am einfachsten durch das Umstellen des Zielverzeichnisses beim Hoster abgeschlossen werden.

Nun stehen der kontinuierlichen Weiterentwicklung des eigenen Internetangebotes – sei es durch zusätzliche Erweiterungen oder inhaltlichen Ausbau – nichts mehr im Wege.

Fazit

Ein Upgrade lohnt sich bei umfangreichen und inhaltsstarken Internetseiten. Wo Inhalte über einen Zeitraum gewachsen und in der vorhandenen Struktur gut abgebildet sind, ist eine Aktualisierung der TYPO3-Version zwar aufwendig, bietet aber den Vorteil, nach einer gewissen Übergangszeit direkt arbeitsfähig zu sein. Zusätzlich eröffnet sich die Chance, neue Erweiterungen zu implementieren, die die bereits vorhandenen Inhalte wirkungsvoll ergänzen.

Abstand nehmen sollte man von solch einem Vorhaben, wenn eine generelle Überarbeitung oder eine Umstrukturierung der Seite geplant sind. Hier eignet sich eher ein gemeinsamer Workshop, in dem Ziele und Anforderungen an die Internetpräsenz klar definiert werden. Das Resultat kann dann einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem „echten“ Relaunch bilden. [5]

Material

[1]  Erklärung zum Versionsverständnis von TYPO3 (englisch): typo3.org/teams/core/resources/release-workflow/ 
[2] Komplette Liste der neuen Funktionen der einzelnen TYPO3-Versionen bei typo3.org (englisch): typo3.org/development/articles/ 
[3] TYPO3-Upgrade-Empfehlung (englisch):
wiki.typo3.org/index.php/Upgrade 
[4] Pressemeldung zum Relaunch beim ZDH: www.zdh.de/presse/pressemeldungen/archiv-pressemeldungen/zdh-website-mit-neuem-design-online.html 
[5] Einsteiger-Lesetipp zum Umsetzen von erfolgreichen Webprojekten: www.businessvillage.de/eb-731_Was-gute-Webseiten-ausmacht.html 

Ansprechpartner

André Richter
Geschäftsführung, Konzeption
andre(at)schnittsteller.de 
+49 (0)30 37 44 820-0

Erschienen in

TYPO3 Magazin Nr. 16

www.yeebase.de 

 

Praxisbeispiel

Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. (ZDH)
Mit dem lizenzkostenfreien Open Source-CMS TYPO3 wurde die Arbeit der Redakteure beim ZDH wesentlich vereinfacht.

Weniger Handarbeit beim Handwerk 


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