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Wissenswert

Zielgruppenfokussierung als Wettbewerbsvorteil

Realisierung von zielgruppenorientierten Internetauftritten am Beispiel der TU-München

von Tobias Martin

Die Fakultät für Informatik der Technischen Universität München präsentiert sich seit Anfang des Jahres 2009 mit einem neuen Internetauftritt. Als eine der ersten Universitäten setzt sie dabei auf die Open-Source-Software TYPO3.

Nicht nur in der Wahl des Content-Management-Systems werden in dem Projekt neue Wege gegangen. Navigation und Inhalte der Seite orientieren sich nicht an dem klassischen Aufbau von Internetseiten sondern an den Hauptzielgruppen Studieninteressente, Studierende und dem Themengebiet Forschung. So wird die Übersichtlichkeit für die Besucher deutlich erhöht und die Verwaltung der Inhalte auf Redakteursseite vereinfacht.

Um mit dem neuen Auftritt den Anforderungen der Zielgruppen gerecht zu werden, wurden während des Projektes Kompetenzen gebündelt und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Aufgabenbereichen der Fakultät frühzeitig in die Planung einbezogen. Design, Struktur und erste Inhalte wurden durch die Zielgruppen getestet.

Um die Übernahme der in den letzten zehn Jahren gewachsenen Inhalte zu vereinfachen und den straffen Projektzeitplan einzuhalten, wurden zahlreiche Importmöglichkeiten programmiert und den Redakteuren zur Verfügung gestellt. Durch eine praxisorientierte Schulung, die direkt am neuen System erfolgte, konnten die Inhalte dank der tatkräftigen Unterstützung der Fakultätsmitarbeiter zügig migriert werden. Für die wichtigsten Seiten wurden zusätzlich individuelle neue Inhalte erstellt. Die Realisierung des Projektes war von der Konzeption bis zur Freischaltung in nur 4 Monaten möglich.

Die neue Webseite erfreut sich konstanter Beliebtheit bei Interessenten, Studenten, Mitarbeitern und Partnern der Fakultät für Informatik.

Entwicklung der neuen Struktur

Mehr als 30 Professorinnen und Professoren forschen an 20 Lehrstühlen in der Kerninformatik und in der Ingenieurinformatik. Damit hat die Technische Universität München eine der größten Informatik-Fakultäten in Deutschland. Als Eliteuniversität ist sie in Hochschulrankings immer ganz vorne mit dabei – ob in Focus, ZEIT & CHE oder Karriere. Dieser Anspruch sollte auch im Internet transportiert werden.

So ist die gesamte vorherige Internetseite über die Jahre gewachsen. Bedingt durch den Umstand, dass die Inhalte auf Grund eines fehlenden Redaktionssystems nicht erweitert werden konnten, entstanden aus der Not heraus für viele Themengebiete wie Studienberatung und Studiengänge neue, autarke Internetseiten. Diese wurden von den zuständigen Mitarbeitern selbstständig gepflegt. Die verschiedenen Webseiten waren teilweise über eigene Internetadressen erreichbar, teils untereinander verlinkt und unterschieden sich in Design und Struktur. Eine Orientierung für die Besucher war nicht mehr gegeben.

Viele Webseiten von Hochschulen und Universitäten sind durch eine klassische Seitenstruktur gegliedert: Darstellung der Schule, Darstellung der Fachbereiche, Darstellung der Studiengänge & Dozenten, Darstellung der Fächer. Auf den ersten Blick ist das eine sinnvolle und leicht pflegbare Gliederung, da die Inhalte hierarchisch aufeinander aufbauen.

Doch ist die Gliederung auch auf die eigentliche Zielgruppe nachvollziehbar? Verliert sich nicht beispielsweise ein Interessent in der Menge der Informationen? Bis er Informationen zu einem Studiengang erreicht hat, der ihn interessiert, muss er tief in die Inhalte einsteigen. 

Ein Student sucht die Inhalte noch viel zielgerichteter. Ihn interessiert vielleicht nicht der gesamte Studiengang sondern nur die Informationen, die gerade für sein Semester von Bedeutung sind. Auch in diesem Fall wird er sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Informationsmenge verlieren und das Angebot unter Umständen gar nicht so intensiv nutzen wie er es könnte und wie es vom Betreiber angedacht war.

Zur Entwicklung der neuen Struktur wurden vier moderierte Workshops mit den Projektbeteiligten auf Seiten der Fakultät und der umsetzenden Agentur durchgeführt. Dabei wurden Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen wie Dekanat, Wissenschaftliche Mitarbeit, Rechnerbetrieb, Studienberatung, Öffentlichkeitsarbeit und Prüfungsausschuss integriert. Das Projektteam während der Konzeption bestand aus insgesamt 28 Personen.  Aufgabe war die Zuordnung der vorhandenen Inhalte in die neue Struktur. Diese wurde zuvor von der Agentur vorbereitet.

Durch die Zusammenführung der unterschiedlichen Kompetenzen und Sichtweisen wurde sichergestellt, dass alle Interessen berücksichtigt wurden. Gleichzeitig wirkte sich die stärkere Integration positiv auf das Projektteam und somit auch auf den Projektverlauf aus.

Zusätzlich zur neuen Gliederung wurde für den gesamten Auftritt eine neue, zielgruppengerechte Ansprache entwickelt und in einem Handbuch festgeschrieben. Dadurch wird auch in der weiteren Entwicklung der Inhalte sichergestellt, dass jede Zielgruppe klar strukturierte, leicht verständliche und übersichtliche Inhalte vorfindet.

Umsetzung der Zielgruppennavigation

Technisch werden die Inhalte der neuen Seite in zwei Bereiche unterschieden:

  1. statische Inhalte, die in dem jeweiligen Bereich gepflegt werden und
  2. dynamische Inhalte, die zentral gepflegt werden und automatisch in den relevanten Bereichen erscheinen

Zu den statischen Inhalten gehören beispielsweise die Inhalte zu den Studiengängen. Sie werden von den Redakteuren direkt an der Position gepflegt, an der sie auch im Internetauftritt erscheinen. TYPO3 verwaltet die Inhalte der Webseite in einer Baumstruktur. Die einzelnen Zweige des Baumes bilden jeweils einen Navigationspunkt in der Webseite. Möchte ein Redakteur beispielsweise die Inhalte auf der Seite „Gute Gründe“ im Bereich „Für Studieninteressierte“ verändern, wählt er in der Oberfläche von TYPO3 einfach den gleichnamigen Punkt im Seitenbaum aus.

Zu den dynamischen Inhalten gehören alle Inhalte die thematisch mehreren Bereichen der Seite zugeordnet sind. Das betrifft beispielsweise aktuelle Meldungen,  Pressemitteilungen, Kolloquientermine und Veranstaltungen. Diese Inhalte werden zentral in einem Bereich der Seite gepflegt und über Kategorien den Themenbereichen zugeordnet. Der Redakteur muss für eine neue Veranstaltung nur einen einzelnen Eintrag vornehmen. Soll die Meldung auf der Startseite angezeigt werden und ist sie zudem für Studieninteressente und Studierende gleichermaßen interessant, muss er die Meldung nur den entsprechenden Kategorien zuweisen. Das CMS verteilt diese automatisch in die entsprechenden Inhaltsbereiche. Auch bei Änderungen müssen diese nicht auf jeder Seite erfolgen. Der Redakteur muss nur den ursprünglichen Eintrag ändern.

Die Pflege der auf der Webseite veröffentlichten Dokumente wie PDF-Dateien, Foto-Galerien und Videos erfolgt über ein integriertes Modul für die Medien-Verwaltung (DAM) das eine ähnlich komfortable Verwaltung ermöglicht. Möchte der Redakteur ein Mitarbeiterbild austauschen, muss er nur die entsprechende Datei in der Medienverwaltung ersetzen. Das Bild wird automatisch auf allen Seiten aktualisiert auf denen es eingebunden ist.

Anpassung der Inhalte

Die grafisch schönste Seite und die bestdurchdachteste Struktur machen wenig Sinn, wenn alte Inhalte eins zu eins übernommen werden. Ein Relaunch ist daher auch ein guter Zeitpunkt um die alten Inhalte zu sondieren und sozusagen einen Frühjahrsputz durchzuführen. Welche Inhalte werden überhaupt gelesen? Welche sind für meine Zielgruppe relevant – welche haben sich mit den Jahren angesammelt müssen aber nicht mehr mit übernommen werden da sie veraltet sind? Vorhandene Statistiken geben hier Aufschluss über Interessenschwerpunkte auf der Seite.

Bei der Migration – also der Übernahme der Inhalte – fand auch bei der Fakultät ein Auswahlprozess statt. Durch die neue Struktur konnten viele Inhalte nicht einfach übernommen werden sondern mussten inhaltlich auf verschiedene Bereiche der Seite verteilt werden um dem neuen Konzept gerecht zu werden. So beispielsweise auch die Informationen zu den einzelnen Studiengängen.

Ein Interessent, der sich für den Studiengang „Bachelor Informatik“ interessiert, findet mit wenigen Klicks ein Profil des Studiengangs mit Hinweisen zu Dauer, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. Übersichtlich werden hier auch Lernziele des Studiengangs und das Bewerbungsverfahren erläutert. Anhand von Interviews mit Absolventen werden Berufsbilder dargestellt und geben einen guten Einblick in die Praxis. Damit die Texte gerade für die Interessenten, die oft noch Schüler sind oder vor kurzem ihr Abitur gemacht haben, leicht verständlich sind, wurden die Texte für den Bereich professionell überarbeitet oder anhand der fachlichen Vorgaben neu getextet. Ziel: komplexe Sachverhalte einfach vermitteln.
Der gleiche Studiengang präsentiert sich im Bereich der „Studierenden“ anders. Hier geht es vorrangig um das schnelle Auffinden von Informationen. Wo stehe ich gerade im Studium, was sind für mich die nächsten Schritte und Anlaufstellen? Welche Möglichkeiten habe ich nach dem Studium – beispielsweise durch ein Aufbaustudium?  Vom Studienplan über die Darstellung der Lehrveranstaltungen und Prüfungsordnungen bis zur Abschlussarbeit. In diesem Bereich finden Studenten alle relevanten Informationen. Zur Verbesserung der Darstellung sind diese nach Studienjahren gegliedert.

Zur Unterstützung der Redakteure wurde ein individueller Tonality-Guide sowie ein Redaktionsguide erstellt und im CMS hinterlegt. Dieser beinhaltet die Vorgaben an Inhalte und Struktur und bietet Unterstützung für die optimale Darstellung der Inhalte im Internet.

Ansprechpartner

Tobias Martin
Geschäftsführung, Beratung
tobias(at)schnittsteller.de 
+49 (0)30 37 44 820-0

Praxisbeispiel

Technische Universität München
Die technisch und visuell vollkommen neu gestaltete Website des Fachbereichs Informatik spricht Studieninteressierte, Studierende sowie Forscher über Zielgruppeneinstiege unmittelbar an.

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